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Das NY-NRG Quartet ist Gregor Hübners Ensemble mit dem er hauptsächlich in seiner Wahlheimat New York konzertiert. Mit Luis Perdomo und Hans Glawischnig verbindet ihn ein Studium an der renommierten Manhattan School of Music und mit Billy Hart steht er regelmäßig im Richie Beirach Quartet auf der Bühne. Für diese Konstellation hat er spezielle Kompositionen geschrieben die einen lustvollen Umgriff vom Postbop über Latin Jazz bis hin zum bilderstürmenden Improvisationsrausch der 1970er-Jahre erlauben.
Die Besetzung spricht für sich; Luis Perdomo, im Moment Pianist in den Bands von Ravi Coltrane und Migel Zenon, Hans Glawischnig ebenfalls ein Mitglied in der Band Zenon’s und unter anderem Bassist bei Chick Corea und natürlich Billy Hart, Schlagzeuger bei Jazz Größen wie Miles Davis, Herbie Hancock, Stan Getz and Little Richard.
Das erklärte Ziel: das ewige Stiefkind Geige endlich aus der Ecke der Vorurteile herausholen.
Die Mitglieder der Band sind:
Gregor Huebner, violin
Luis Perdomo, piano
Hans Glawischnig, bass
Billy Hart, drums
Das Mysterium der Selbstverleugnung:
Eine Geige im Jazz klingt meist wie ein Bläser mit zittriger Phrasierung. „Warum nur?“, fragt sich nicht bloß Gregor Hübner.
Dazu noch die üblichen Probleme mit der Verstärkung. „Wenn ich die Geige in die Hand nehme, dann spiele ich auch Geige. Und das in meiner Sprache.“ Die kennen und schätzen inzwischen eine ganze Reihe von Fans in Europa wie den USA – spätestens seit der Kollaboration mit dem Pianisten Richie Beirach und dem Bassisten George Mraz bei den drei „Round About“-Projekten für das ACTLabel. Nun tritt der in Stuttgart geborene und in New York lebende, klassisch geschulte Bogentänzer mit seinem „New York NRG Quartet“ (Niveau Records/Al!ve) aus dem mächtigen Trio-Schatten. „Ich habe lange auf diese Möglichkeit gewartet“, schwäbelt Hübner aufgekratzt mitten in Manhattan, „für mich ist das ein Emanzipationsprojekt!“ Als Kopf des besagten NRG Quartet (was bei den Kürzelfetischisten in Amerika „Energy“ bedeutet) spielt er zwar die erste Geige, sorgt aber durch klug strukturierte Arrangements auch für einen ausgewogenen, intensiven Energiefluss zwischen seinen Partnern Luis Perdomo (Piano), Hans Glawischnig (Bass) und Billy Hart (Drums) sowie dem Sirius String Quartet, einer der erfolgreichsten Formationen an der Schnittstelle zwischen Klassik und Jazz. „Ich fühl’ mich unglaublich wohl mit dieser Band. Sie bietet mir allen Raum, den ich brauche.“ Eine Eintagsfliege sei sie beileibe nicht, betont Hübner euphorisch. Für die nächste CD hat der 40-Jährige bereits ein Bündel neuer Stücke geschrieben, die einen lustvollen Umgriff vom Postbop über Latin Jazz bis hin zum bilderstürmenden Improvisationsrausch der 1970er-Jahre erlauben.
Sein erklärtes Ziel: das ewige Stiefkind Geige endlich aus der Ecke der Vorurteile herausholen. Die Chancen dafür stehen mehr als günstig.
"Zum Jahresende also das „New York NRG Quartet“. Wenn Richie Beirach in seinen Liner Notes die „passion and energy“ dieses Ensembles preist, dann hat er keineswegs übertrieben, denn diese acht Stücke – jeweils 7 bis 10 Minuten lang – bersten förmlich vor Energie. Für mich ein Album des Jahres."
© Hans Happel, 22. Dezember 2007
CD Kritik.de
"Nichts für Foliengriller! Was Gregor Hübner auf den Rost wirft, ist für Otto-Normal-Hörer nur schwer genieß- und verdaubar. Erfahrenen oder entdeckungsfreudigen Ohren bietet der Geiger hochwertigste Nouvelle Cuisine, die sich ihrer Traditionen ebenso bewusst ist wie ihres Forschungsauftrags.
Schon der Opener macht klar, wo bei "New York NRG Quartet" der Hase lang läuft. Ganz tief hinein in den bedrohlichen Jazzsumpf. Ein Schlagzeugsolo weist den Weg ins organisierte "Chaos". Das kurz erwähnte Thema dient lediglich als Richtungsweiser, denn das folgende Pianosolo verlässt den vermeintlich sicheren Pfad mit rasender Geschwindigkeit. Hübner setzt improvisatorisch im Off an, dort, wo Luis Perdomos Tastenausflug endet. Letzter hat sich keineswegs verlaufen. Er bereitet Hübners ekstatischem Exkurs lediglich einen unsicheren Boden. Eine fruchtbare Chance, die der Vollblutjazzer Hübner zu nutzen weiß.
Was für ein rauschendes Fest die Protagonisten hier feiern! Ohne Seil und doppelten Boden zelebrieren sie den Jazz in seiner reinsten Form: haltlos schöne Improvisationen, die das Gelände mutig erkunden und dabei nie den Weg und das Ziel aus den Augen verlieren. Die Landschaften in die es das Gregor Hübner Quartet auf ihrem Trip verschlägt, könnten nicht vielseitiger und abwechslungsreicher, nicht farbenfroher und blütenreicher sein.
Über allem thronen die fabelhaften Soloexkursionen, deren schöpferische Kraft einem freundlichen Ungeheuer gleicht. Nicht nur der Protagonist wandelt souverän durchs Reich der tonalen Möglichkeiten. Seine Sidemen stehen ihm in nichts nach. Pianist Luis Perdomo (Ravi Coltrane) schafft es, selbst erfahrenen Jazzmümmelmännern die Schlappohren in höchste Regionen wachsen zu lassen. Seine Melodik, seine Virtuosität, seine musikalische Sprache ... jeder Ton, der aus seinen Fingern quillt ist wunderbare Musik. Der Trommler Billy Hart (Miles Davis, Herbie Hancock) und sein Rhythmus-Kompagnon Hans Glawischnig (Bass, Chick Corea) liefern nicht einfach nur das Fundament. Sie stehen als gleichberechtigte Solo-Partner neben Hübner und Perdomo. Wir haben es also mit 4 Protagonisten zu tun.
Deshalb konnten sich die Musiker auch nicht entscheiden, unter welchen Bandnamen und unter welchen Titel das Debütalbum erscheinen soll? Heißt das Album nun "New York NRG Quartet", wie Amazon es vorschlägt? Findet man das Album unter N, oder listet man es unter H wie Hübner? Oder muss es richtig Huebner heißen? Für Verwirrung in der standardisierten Internetwelt sorgt Gregor Hübner und/oder das New York NRG Quartet nicht nur bei der Namensgebung (oder war es die Titelwahl?). Für Verwirrung sorgen sie mit ihrer Musik auch bei allen in Sumpfwanderungen Unerfahrenen.
Die anspruchsvolle Aufgabe, den Klang und die spieltechnischen Möglichkeiten der Violine im Jazzkontext zu verorten, meistert Hübner dabei herausragend. Zurückhaltung und Virtuosität lauten seine Zauberworte. Seine Komparsen, inklusive des äußerst filigran agierenden Sirius String Quartet, agieren auf Augenhöhe und auf höchst anspruchsvollem Niveau. Ein Album für Entdecker, Gourmets und Sumpfforscher".
www.laut.de
Auswahl aktueller CDs:
Gregor Hübner:
NY-NRG Quartet
Niveau Records 2007
Gregor Hübner Quintet:
Januschke's Time,
Satin Doll, 2000
Gregor Hübner Quartett:
Panonien,
Satin Doll 1996, Jazzheads USA 1998






















Gregor Hübner Ny-NRG Quartet